Digitalisierung alter Bücher

Eine der wichtigsten Aufgaben der Bibliotheken ist die Verbreitung von Wissen. Verdeutlicht wird diese Rolle auch durch die Digitalisierung von alten Dokumenten. Zwar fehlt es nicht an Digitalisierungsprojekten in Textformat, aber die Bibliotheken sehen die Erfüllung ihrer Aufgabe allgemein eher in der Umwandlung von Dokumenten in ein digitales Format. In diese Richtung geht auch die italienische Landesbibliothek Claudia Augusta.

Die Digitalisierung alter Bücher ist für Bibliotheken in zweierlei Hinsicht interessant: erstens wegen der Zugriffsmöglichkeiten und zweitens wegen der Erhaltung. Der Zugriff zum digitalem Format ermöglicht eine früher undenkbar große Materialverfügbarkeit. Alte Texte werden somit aus ihrer geografischen Isolation herausgeholt und in der digitalen Bibliothek, die überall und für alle Benutzer zugänglich ist, online zur Verfügung gestellt. Das eigentliche Dokument wird rein wissenschaftlichen Studienzwecken und einer beschränkten Anzahl von Einsichtnahmen vorbehalten. Ansonsten wird es unter den bestmöglichen Licht-, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen aufbewahrt.

Was soll digitalisiert werden? Diese Frage ist ausschließlich mit Bezug auf die jeweilige Bibliotheksorganisation zu beantworten. Die italienische Landesbibliothek Claudia Augusta hat beschlossen, eine digitalisierte Sektion über lokale Erinnerungsliteratur zu schaffen, die sich mit Dokumenten befasst, welche auf territoriale Gegebenheiten Bezug nehmen. Angesichts des Auftrags, den unsere Bibliothek zu erfüllen hat, wurden vorrangig besonders beschädigte oder kürzlich restaurierte Werke mit lokalem Bezug digitalisiert, um den Zustand des Papiers und der Einbände durch wiederholte Einsichtnahmen nicht zu gefährden. Das Hauptziel dieses Projektes liegt nicht nur darin, die ältesten oder interessantesten Werke aus der Vergessenheit hervorzuholen, sondern auch der Öffentlichkeit einen sehr wertvollen bibliografischen Bestand zur Verfügung zu stellen und diesen gleichzeitig für die zukünftigen Generationen zu erhalten. Die nun in digitalem Format verfügbaren Dokumente sind wertvolle Drucke, die auf dem Antiquariatsmarkt schwer aufzutreiben sind. Alle wurden in Nordostitalien zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert veröffentlicht und befassen sich mit geschichtlichen, religiösen, archäologischen und wissenschaftlichen Aspekten der Region Tirol und der angrenzenden Gebiete. Der reiche Bücherbestand unserer Bibliothek ist Gegenstand von Diplomarbeiten und Dissertationen und bietet eine unverzichtbare Quelle für die Erforschung der lokalen Geschichte Südtirols, des Trentino und generell des historischen Tirols.

Die alten und neuen Dokumente, über welche die italienische Landesbibliothek Claudia Augusta verfügt, werden durch das Digitalisierungsprojekt zu virtuellen Objekten, die sowohl als Informationsquelle als auch als Konsumprodukt eine neue kommunikative Bedeutung haben eine geniale Verbindung zwischen Technologie und Geschichte darstellen.